Mauereidechsen - Sonnenanbeter und flinke Jäger

In den letzten Monaten habe ich immer wieder an verschiedenen Plätzen in den Rheinauen und im Pfälzer Wald die Mauereidechsen besucht. Diese flinken kleinen Krabbler, die einerseits sehr entspannt in der Sonne dösen und dann wieder pfeilschnell nach Beute jagen, faszinieren mich einfach. Ins Herz geschlossen habe ich sie spätestens nach dem Moment, in dem sich ein wagemutiges Exemplar - als ich die Kamera im Anschlag flach auf dem Bauch lag - über mein Bein und meinen Rücken krabbelnd auf meiner Schulter längere Zeit sonnte und dann ganz entspannt über meinen Arm in Richtung Mauer davonschlich. Leider sind diese Eidechsen, wie übrigens alle in Deutschland lebenden Eidechsenarten, zu den bedrohten Arten zu zählen. Ich möchte hier ein paar meiner Lieblingsbilder zeigen und im folgenden Text etwas mehr über die flinken Flitzer erzählen.

Die Mauereidechse (Podarcis Muralis) gehört zur Klasse der Kriechtiere (Reptilia), der Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae) und zur Gattung der Mauereidechsen. Sie wurde zum Reptil des Jahres 2011 ausgerufen. Mauereidechsen sind - wie der Name schon sagt - in Mauern und Felsspalten zu Hause. Mit ihren kräftigen Beinen und dem Schwanz sind sie gute Kletterer. Schlank und gedrungen wie sie sind, kommen sie durch die kleinsten Ritzen und fühlen sich vor allem an den trockenwarmen Berghängen in Süddeutschland an Rhein, Neckar und Mosel heimisch. In Mitteleuropa mag die Echse die o. g. typisch sonnigen und trockenen Biotope. Im südlichen Europa zieht sie aber die höheren und kühleren Gebirgslagen, sowie relativ feuchte und schattige Umgebungen (Laubmischwälder und Berghänge) den heißen Gebieten vor.

Die Mauereidechse ist eher unscheinbar. Für gewöhnlich kann man sie an ihrem braunen Rücken mit dunklem Mittelstreifen erkennen. Zudem ist sie hell gefleckt und hat breite Seitenstreifen. Doch es gibt auch sehr unterschiedlich gefärbte Tiere, die mit einer stark grünlichen Färbung fast wie Smaragdeidechsen aussehen. Die Kehle ist stark schwarz bis rostbraun gefleckt. Ihr Bauch ist gleichmäßig weißlich, gelb oder rötlich gefärbt, manchmal auch getüpfelt. Die Hautfarbe können Mauereidechsen zwar nicht wechseln, aber verstärken, wenn sie aufgeregt sind oder wenn ein Männchen einem Weibchen imponieren will. Der Körper ist komplett beschuppt. Die Rückenschuppen sind in der Regel kleiner als die Bauchschuppen, die auch optisch hervorstechen. Die Mauereidechsen haben - wie andere Eidechsen auch - oft unter dem Befall von Zecken zu leiden. Meistens sind dies die Nymphen des Holzbockes (Zecke). Diese setzen sich an den Gelenken und in den Ohröffnungen fest. Die schlanke Eidechse hat einen verhältnismäßig langen Schwanz, der ihr beim Klettern hilft. Bei bis zu 22 Zentimetern Körperlänge ist der schwanz knapp doppelt so lang wie der eigentliche Körper. Die Weibchen sind von der Erscheinung her meistens ein wenig blasser und weniger farbenfroh als die Männchen. Die Pupillen der Mauereidechsen sind rund und die Augenlider frei beweglich.

 

Alle Eidechsen können etwas ganz Verrücktes: wenn sie sich bedroht fühlen, werfen sie Teile ihres sehr langen Schwanzes einfach ab (Autotomie). Beißt zum Beispiel ein hungriger Fressfeind zu, zieht die Echse einen ihrer Ringmuskeln am Schwanz kurz und kräftig zusammen - und der Schwanz oder ein Teil davon ist an der Stelle ab. Der Angreifer ist verwirrt, denn das mit aktiven Nerven und Muskeln ausgestattete Stück kann noch bis zu 20 Minuten lang zombiemäßig weiterzappeln. Während der Angreifer noch auf das zuckende Etwas starrt, ist die Echse längst im sicheren Erdloch oder einer Spalte verschwunden. Zum Glück wächst der Schwanz wieder in vielen Wochen nach. Allerdings ist die Haut auf dem neuen Stück blasser und kann daher umso leichter einem Feind zum Opfer fallen. Oft sind die Regenerate auch kürzer und dicker und weisen eine langgezogene Spitze auf. Die Schwänze können an unterschiedlichen Stellen abbrechen. Der Verlust des Schwanzes wird von allen Arten recht gut vertragen.

 

Während des Wachstums häuten sich die Eidechsen, wobei die Haut nicht in einem Stück, sondern "fetzenweise" abgestriffen wird.

 

Alle Eidechsen fressen überwiegend kleinere "mundgerechte" Tiere, zumeist Insekten, Spinnen und andere Gliedertiere sowie auch Würmer und Schnecken.

 

Die Paarungszeit der Mauereidechsen beginnt stetes im Frühling mit Beginn der ersten Sonnenstrahlen und kann bis Juni gehen. Vor allem in dieser Zeit verteidigen die Männchen ihre Reviere mit zum Teil heftigen Kämpfen und Beißereien. Bei diesen Auseinandersetzungen kann es zu schlimmen Verletzungen oder sogar zum Tod einer männlichen Eidechse kommen. Die Eidechsenweibchen mögen am liebsten einen großen und starken Partner für die Paarung und wählen deshalb jenes Männchen, welches sich bei der Balz gegenüber den anderen bewährt hat. Nach dem Liebesakt vergehen in der Regel etwa 10 Tage bis die Eier zur Ablage bereit sind. Oft sind es bis zu 6 Eier, die das Weibchen ablegen kann. Die Eier werden vorzugseise in sandähnlichen Untergrund abgelegt und entwickeln sich dort in 2 bis 3 Monaten. Dabei gilt: je wärmer, desto eher schlüpfen die jungen Eidechsen. Dieser Vorgang dauert wenige Stunden.

 

Die Mauereidechse gilt wie die anderen Eidechsen auch als wetterfest und wechselwarm. Das bedeutet, dass sich die Körpertemperatur der Umgebung anpassen kann. Im Winter suchen sie gerade bei eisigen Temperaturen gerne Unterschlupf in Steinritzen, graben sich in die Erde oder finden ein relativ warmes Plätzchen unter Baumwurzeln. Sie verharren so lange in dieser Umgebung bis die Kälte nachlässt - sie verfallen also in eine Art Winterstarre. Sobald der Frühling naht, geht es dann wieder auf die Piste.

 

Was alle Eidechsen grundsätzlich von anderen Echsen wie Geckos, Leguanen oder Waranen unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie keine Haftzehen, Rückenkämme oder Kehlsäcke besitzen. Sie haben insgesamt 5 Finger und 5 Zehen, mit denen sie auch graben können.

 

Die Eidechse allgemein ist leider sehr gefährdet, da viele Vögel wie zum Beispiel Bussarde große Gefahren darstellen. Darüber hinaus zählen aber auch Schlangen, Störche und sogar Katzen zu den natürlichen Feinden der Mauereidechse. Aufgrund des mittelfristigen Areal- und Bestandsrückgangs sowie der schlechten Zukunftsaussichten wurde die Mauereidechse in der EU-weit gültigen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) als streng zu schützende Art in den Anhang IV aufgenommen.

 

In Deutschland kommen neben der Mauereidechse noch die Zauneidechse, die Smaragdeidechse und die Berg- oder Waldeidechse vor. Alle heimischen Eidechsenarten gelten als bedroht, da ihr natürlicher Lebensraum mehr und mehr zerstört wird.